Wir wünschen uns beziehung aber ohne bindung!
Wenn wir uns auf unser Gegenüber einlassen, entsteht Nähe. Mit Nähe entsteht aus eine Form von Abhängigkeit. Wir beginnen, uns auf die Anwesenheit des anderen und das Gefühl der Nähe zu verlassen. Andere zu brauchen ist zutiefst menschlich. Wir sind dafür gemacht, in Verbindung zu leben.
Unser Nervensystem ist auf Bindung ausgelegt. Wir sind nicht dafür gemacht, alles alleine zu tragen. Das Gefühl von Verlässlichkeit ist nicht zu viel verlangt, sondern ganz im Gegenteil. Wir leiden nicht, weil wir uns abhängig fühlen, sondern weil unser Gegenüber möglicherweise einen anderen Bindungsstil hat. Weil Nähe anders gelebt wird, weil wir uns geöffnet haben bei jemandem, der selbst auf wackligem Boden steht.
Vieles davon hängt mit unser eigenen Bindungsstruktur zusammen & was wir als Kind über Nähe erleben durften. Unsere Bindungsmuster sind tief in unserem Nervensystem verankert & regulieren, wie wir in Beziehungen Nähe und Distanz erleben und ob dies als Sicherheit oder Gefahr wahrgenommen wird. Dadurch ist nicht die vermeintliche Abhängigkeit das Problem, sondern ein unterschiedliches Nähe-Distanzbedürfnis.
Wenn wir anfangen, unser Nervensystem zu verstehen, geht es nicht darum, unabhängig zu werden oder uns für das Bedürfnis nach Verbindung zu schämen. Es geht darum, zu erkennen, warum wir immer wieder zu Menschen zurückkehren, die keine Verlässlichkeit geben können und immer wieder unsere Erfahrungen matchen. Auch wenn diese destruktiv sind. Es geht darum, wie wir genau diesen Kreis durchbrechen können und aus einer destruktiven Abhängigkeit hin zu einer gesunden “Abhängigkeit” kommen. Es geht also nicht darum, jemanden zu brauchen, um sich vollständig zu fühlen. Sondern darum, verbunden zu sein und trotzdem man selbst zu bleiben.
In einer sicheren Bindung versucht dich niemand abhängig zu machen. Ein Mensch gibt dir Halt und gleichzeitig die Freiheit, du selbst zu sein. Das ist der Unterschied zwischen Liebe und Symbiose.